Jugendliche

Wohnungslose Jugendliche

Grundsätzlich gilt auch für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren die Begriffsdefinition Wohnungslosigkeit, wie sie im Grundsatzprogramm der BAWO ausgeführt ist. Spezifisch für Wohnungslose dieser Altersgruppe ist jedoch, bei aller Unterschiedlichkeit der individuellen Problemlagen, die Gemeinsamkeit des Fehlens eines Elternhauses, das in ausreichendem Maß die physische und psychische Integrität der Jugendlichen gewährleistet. Dem Abhauen oder dem Rausschmiss von zuhause gehen in der Regel unerträgliche familiäre Verhältnisse wie Vernachlässigung, Ausgrenzung, Überforderung der Eltern aufgrund eigener Probleme, fehlende materielle Ressourcen oder beengte Wohnverhältnisse und häufig langjährige Gewalt- & Missbrauchserfahrungen voraus. Vor diesem Hintergrund stellt der Verlust des Wohnortes Familie nicht nur eine existenzielle Notlage dar. Das Verlassen des Elternhauses ist auch als Flucht aus gewalttätigen Verhältnissen, als Problemlösungsversuch und Überlebensstrategie zu verstehen und als Leistung im Sinne eines ersten wichtigen Schrittes zur Veränderung und Verbesserung der eigenen Lebenssituation anzuerkennen.

In dieser biographischen Schlüsselsituation brauchen Jugendliche Unterstützungsangebote an der Schnittstelle zwischen Wohnungslosenhilfe und Jugendwohlfahrt mit niederschwelliger Zugangsstruktur, parteilichem, ganzheitlichem und akzeptierendem Ansatz sowie ganz konkreten Hilfen zur Bewältigung der Kernproblemlagen Existenzsicherung, Wohnen und Ausbildung/Arbeit.

Die mit der Wohnungslosigkeit verbundene Unsicherheit ist in der Adoleszenz besonders problematisch, gilt es doch gerade in diesem Lebensabschnitt, Lebensperspektiven und Orientierungen zu entwickeln. Dies ist aber nur dann möglich, wenn die/der einzelne Jugendliche über ein Minimum an Sicherheit verfügt. Eine stabile Wohnsituation bildet diesbezüglich eine der zentralen Voraussetzungen. Soll verhindert werden, dass sich bei wohnungslosen Jugendlichen eine langfristige Wohnungslosigkeit mit all ihren negativen Begleiterscheinungen wie Kriminalisierung und Ausgrenzung manifestiert, dann muss es Angebote geben, die über eine rudimentäre Grundversorgung hinausreichen.

Einrichtungen für wohnungslose Jugendliche gibt es mittlerweile in fast allen Bundesländern – äußerst unterschiedlich in inhaltlichen und organisatorischen Aspekten sowie der konkreten Ausgestaltung der Angebote. Alle Einrichtungen sind im Rahmen der BAWO organisiert. Der fachliche Austausch und insbesondere eine Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung der Angebote nicht zuletzt auf Basis des Standardkatalogs „Niederschwelligkeit braucht Ressourcen“ (2001) sind zentraler Gegenstand der Vernetzung.


BAWO Festschrift "Wohnungslosenhilfe von A bis Z"
Beitrag J_Junge Erwachsene in Wohnungsnot (Heidrun Feigelfeld)


Kontakt:
DOWAS Chill Out
Anlaufstelle- und Übergangswohnen für wohnungslose Jugendliche
Heiliggeiststr. 8
6020 Innsbruck
Tel.: 0512/572121-0
dowas.chill.out@chello.at