Delogierung

Delogierungsprävention

Wohnungslosigkeit gezielt und effektiv zu bekämpfen, gelingt am Besten, indem man sie gar nicht entstehen lässt, also Maßnahmen ergreift um zu verhindern, dass Menschen wohnungslos oder sogar obdachlos werden.

Präventive Maßnahmen verhindern nicht nur persönliches Leid, wichtige Sozialisierungsprozesse (vor allem bei Kindern) werden nicht gestört oder unterbrochen, sondern die SozialhilfeträgerInnen haben auch den Vorteil geringerer Kosten im Vergleich zur Reintegration.

Delogierungsprävention richtet sich an alle Mieter und Mieterinnen, welche vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind - dies kann im Extremfall ein angesetzter Räumungstermin sein oder ein bei einem Bezirksgericht eingebrachtes Räumungsverfahren, aus welchen Gründen auch immer. Ebenso müssen präventive Maßnahmen angeboten werden, wenn Betroffene nicht in der Lage sind die laufende Miete zu bezahlen. Die meisten KlientInnen befinden sich in akuten Not- und Krisensituationen.

Wenngleich noch nicht in allen Bundesländern ausreichende Ressourcen und strukturelle Grundlagen realisiert sind, so kann mittlerweile das Angebot der Delogierungsprävention österreichweit auf einer breiten Akzeptanz aufbauen und ist aus der Soziallandschaft Österreichs nicht mehr wegzudenken.

Ebenso nötig sind die vollständige Übermittlung von Daten über eingebrachte Räumungsverfahren an die Beratungsstellen sowie einheitliche Standards in der Präventionsarbeit. Dazu zählen z.B. der rasche unkomplizierte Zugang zu Sozialhilfemitteln zur Abdeckung von Mietrückständen und Anwaltskosten und eine gemeinsame österreichweite Statistik um Veränderungen rasch aufzeigen und dementsprechend reagieren zu können.

Sonderauswertung zu Kündigungen, Räumungen, Räumungs- und Forderungsexekutionen
Verfahrensautomation Justiz 2014

Gesamtübersicht Österreich 2004-2013 nach Bundesländern aufgeschlüsselt: Verfahren, Anträge, durchgeführte Räumungen
Gesamtübersicht Österreich 2011: Kündigungen, Räumungen, Räumungs- und Forderungsexekutionen (basierend auf Rohdaten des Bundesrechenzentrums)

In den vergangenen Jahren konnten die österreichischen Einrichtungen mit ihrem Ansatz der professionellen Delogierungsprävention wiederholt in EU-Gremien und Veranstaltungen präsentiert werden. 2013 wurde von der FEANTSA (Europäischer Dachverband der WLH-Träger in den Mitgliedsstaaten der EU) ein EU-weites Forschungsprojekt initiiert, an dem ExpertInnen aus insgesamt 27 europäischen Staaten beteiligt sind. Ziel dieses Forschungsprojektes ist ein internationaler Vergleich des Stands der Präventionsvorsorgen, der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Realisierung des Rechts auf Wohnen – mit Schwerpunkt auf die Frage, wie Wohnungsverluste systematisch verhindert und diese Form der Zugänge in die Wohnungslosigkeit verschlossen werden können. Österreich wirkt in diesem Projekt durch Heinz Schoibl, in Vertretung der BAWO, mit.
Siehe österreichischer Projektbericht Teil I: National evictions profiles: Pilot project - Promoting protection of the right to housing – Homelessness prevention in the context of evictions, Austria. Report, part I, Heinz Schoibl.
Im Dezember 2014 wurde der zweite Teil des österreichischen Projektberichts fertiggestellt: AT – Anti-Eviction Measures in Austria. Report, part II, Heinz Schoibl.

BAWO Festschrift "Wohnungslosenhilfe von A bis Z"
Beitrag V_Verhinderung von Wohnungsverlust (Renate Kitzman)


Johannes Schuster-Gundacker

FAWOS - Fachstelle für Wohnungssicherung
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